Phnom Penh / Orphanage

Meine Zeit im christlichen Waisenhaus. Eine Empfehlung von Reinhold, dem ich sehr dankbar dafür bin.

4 Wochen ab vom Schuss. Eingesperrt in die weiten Mauern (das Areal war nicht gerade winzig!) eines Mutter Theresa Charity Waisenhauses „Home of Hope“. Geleitet von 4 christlichen Brüdern aus Indien. Mithelfen gegen (oder vielmehr ‚für‘) Kost und Logie. Freiwillig. Und obwohl man hier unzählige Angestellte und ab und an Volunteers hat und man somit locker auf mich hätte verzichten können, war es herrlich. Freilich nicht so herrlich, dass ich für immer hätte hier bleiben wollen (meine Berufung isses nicht.) – aber doch toll. Abgesehen davon, dass ich den Wunsch nach einem geregelten Tagesablauf und kein Geldausgeben verspürte, war es eine ganz nette Erfahrung. Windeln wechsel, Pipi und Kacka wegmachen, füttern, reinigen und unterhalten – das ganze Programm eben. Ganz wie im Zivildienst,…. den ich natürlich nie geleistet habe. 😉
Die Kinders dortn sind mir mit der Zeit richtig ans Herz gewachsen. Es gab da ältere Patienten, und HIV-Infizierte, die weitgehend auf sich selbst achtgeben konnten und ein paar körperlich und geistig eingeschränkte Kids, die betreut werden mussten. Dafür gabs einige Arbeiter, mit denen man zwar nicht sprechen (nur ein paar konnten etwas Englisch) und dennoch irgendwie angenehm kommunizieren konnte und drei Freiwillige. Sara aus Holland, die von einer Organisation da hin organisiert wurde; Yvonne, gebürtige Polin und eigentlich aus der Schweiz kommend, die hier in Kambodscha eine Art neues zu Hause gefunden hat und icke. Mit Yvonne konnte ich dann auch die letzten 14 Tage wieder auf Deutsch schwätzen (vorher war sie im Urlaub!) – was auch eine kleine Retourkutsche gegen die Brothers war, da die recht häufig auf Hindi laberten.

Ich hatte hier nun endlich auch Zeit ein paar Dinge abzureissen und zu beenden. So z.B. Postkartenschreiben. Ein, zwei Filmchen aus meiner Videothek anschauen – wobei ich ‚Only God forgives‘ nich ganz so toll fand (muss ich nochmal schauen!) und ‚Zeiten des Aufruhs‘ (original ‚Revolutionary Road‘) nur empfehlen kann. Leonardo und Kate spielen um Längen besser als in ‚Titanic‘.
Desweiteren gehörte zu meinen Freizeitbeschäftigungen das Beenden meines 1600 Seiten starken Gepäckbeschwerers ‚Krieg und Frieden‘. Und obwohl, gerade zum Schluß hin das Buch eine einzige Redundanz ist, Dinge ständig wiederholt werden, nahezu immer dasselbe gesagt wird und derselbe Sachverhalt nur mit anderen Worten wiedergegeben wird – nimmt das Werk gerade am Ende nochmal ordentlich Fahrt auf. Obwohl es etwas holpernd und steif komponiert ist (ein typischer Zeitungsroman eben!), so ist es doch beileibe kein schlechtes Werk. Besonders die beiden Figuren Pierre und Natascha sind (zumindest stellenweise) recht eindrucksvoll entworfen und die Theorien über Historie und Geschichte sind ebenfalls bemerkenswert… aber naja. Lest selbst!
Jedenfalls bin ich jetzt bereit fürs Korrekturlesen diverser Abschlußwerke und hoffe, dass die hier Angesprochenen so langsam mal zum Ende kommen. Ich warte!!! Bis dahin gilt meine ungebrochene Aufmerksamkeit der Bachelorarbeit vom Heiner (hier wate ich bis jetzt noch knietief in Theorie!) und meiner Neuerwerbung. Da es ‚Heart of Darkness‘ nicht gab, habe ich mir die ‚Canterbury Tales‘ zugelegt. Altenglisch. Das ganze liest sich dann ungefähr so: „Whan that Aprill with his shoures sote/ The droghte of Marche hath perced to the rote,/ And bathed every veyne in swich licour/ Of which vertu engendred is the flour;“ Hä??? Gottseidank hats ne Übersetzung ins moderne Englisch. 😉

Aber genug mit dem literarischen Teufelszeug. Kommen wir zurück zur rauhen Wirklichkeit, in welcher ich nun weiterziehen werde – und dass obwohl (oder gerade weil) ich wieder extrem zugenommen habe. Das ‚einfache‘ Essen bei den Brothers war einfach viel zu gut! 😉
Zunächst sehe ich mich gezwungen, da ich hier für meine Visaverlängerung unverschämte 45 Dollar bezahlt habe, noch etwas im Lande zu verweilen. 😉 Morgen werde ich mit Yvonne, der VolunteerIn aus der Schweiz nach Rabbit Island aufbrechen, eine Insel in der Nähe von Kep. Mal schaun wies da so ist. Anschließend gehts dann allein die Küste entlang Richtung Westen und schließlich nach Siem Reap und von dort nach Thailand. Fettes Programm also die nächsten Tage (und ich hoffe, ich bekomme meins wieder weg…. und zwar von den Rippen.)
Sonst gehts mir soweit ganz gut. Ich hoffe eine Erkältung, die sich im Anmarsch befand, niedergerungen zu haben und eine Handverletzung, die ich mir beim Sturz in einem denkwürdig schlechten Badmington Spiel zugezogen habe, wird auch stetig besser.

Schaun wir mal!
Nachricht gibts jetzt hier wieder öfter und Bilder sobald mir ein Computer unter die Finger kommt.
Viele Grüße in die Heimat.

Ein Gedanke zu „Phnom Penh / Orphanage

  1. K.

    Ich freu mich für dich! Das klingt alles so nach Leben! Großartig!
    Ach ja, von mir gibts keine wissenschaftlichen Ergüsse mehr! Bin seit 3 Tagen frei, hab quasi keinen Status mehr, bin Erziehungsberechtigte einer jungen braun-weißen Pudeldame und fühle mich sauwohl 🙂
    Grüße aus der güldenherbstlichen Heimat!

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